avina kei issue 6 de

Avina-Kei

Japanische Street Fashion zu tragen war nicht das Erste gewesen, das mich von der Masse abgehoben hat. Ich bin in einer kleinen, ländlichen Gegend mit kaum bis garkeinen Lichtern in den Straßen aufgewachsen und war das einzige indische Kind in einem Radius von 25 Kilometern. Dies führte zu einer Kindheit, in der ich andauernd Missverständnisse klären, Normen anfechten und für Akzeptanz kämpfen musste.

Wenn man das einzige nicht weiße Kind in einer kleinen Mittelschule direkt nach 9/11 war, war es eine Überlebenstaktik den Kopf immer unten zu halten. Aber an den Wochenenden begann ich, mit einer Gruppe von gleichgesinnten Freunden, in die Street Fashion einzutauchen, die ich so verehrte.

Das Resultat war, dass je mehr ich meine liebsten Looks aus der FRUiTS, während der Mittelschulzeit, nachahmte um mein Interesse auszudrücken, je besorgter wurde meine Familie.

Das alles führte dazu, dass ich Lolita sehr oft während der Collegezeit trug. Aber es dauerte noch lange bis ich damit aufhörte, meine indischen Wurzeln so standhaft abzustoßen. Aus Sorge dass es zu Übergriffen führen könnte, wollte ich nicht wie jemand rüberkommen, der „zu stolz“ auf seine Herkunft war. Ich zeigte Abneigung, wann immer mich Leute als „die indische Lolita“ bezeichneten.

Aber nur wenige Jahre später wollte ich zu meinen Wurzeln wieder zurückfinden. In einer Zeit, in der es scheint als würde jeder einen Bindi zu Coachella tragen, wollte ich zeigen, dass es ebenfalls wichtig ist, das südasiatische Kleidung an südasiatischen Körpern stolz getragen wird! Und ich wollte das mit der alternativen Mode, in die ich mich während meiner Wachstumsphase verliebt hatte, verbinden.

Mittlerweile beinhalten die meisten meiner Outfits einen Teil meiner Kultur. Egal ob es sich um traditionelle Zeichen und Make-up, raffinierter Schmuck oder geläufige Stoffe handelt – Ich wollte mich auf meine farbenfrohe Herkunft komplett einlassen.

Indischen Schmuck zu tragen, ist eines der Dinge die ich am liebsten tue. Ich habe auch Applikationen von Spitze auf meinen Händen getragen, um das Aussehen und das Gefühl von traditionellem Henna, eine Färbemethode um komplizierte Designs temporär auf dem Körper anzubringen, hervorzurufen.

Auch wenn viele meiner wichtigsten Modeinspirationen nicht aus Indien kommen, zeigen meine Outfits über die Jahre eine wachsende Wertschätzung und Zuneigung für meiner Kultur auf. Selbstausdruck und Selbstliebe hat viele Formen und es war aufregend, dass Mode damals die Richtung für diesen inneren Wandel in mir angab.

Das Schöne an Street Fashion ist, dass es nie der selbe Prozess oder die selbe Entwicklung für jede einzelne Person ist. Es gibt keinen Druck sich komplett anpassen zu müssen und egal für was man sich entscheidet zu tragen, die eigene Persönlichkeit scheint immer durch. Ich kann meine Herkunft nicht von meinen durchlebten Erfahrungen trennen – und mein persönlicher Stil entwickelte sich dazu, dies widerzuspiegeln.

Photography: imPhotography (@imPhotography)

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